Kayhuder kämpfen um Bücherbus

Finanznot: Gemeinde kündigt Vertrag mit Norderstedt. Katja Brandau und Birgitt Schröder haben schon etwa 200 Unterschriften gegen die Kündigung gesammelt.

Kayhude – Die Kayhuder Bürger wollen, daß der Bücherbus auch weiterhin in ihrer Gemeinde Halt macht. Der Gemeinderat hatte im Hinblick auf die mehr als angespannte Finanzsituation in Kayhude die Kündigung des Vertrages mit der Fahrbücherei Norderstedt beschlossen. Nur noch bis zum 31. Dezember soll der Bus die Gemeinde anfahren.

Die Mütter Katja Brandau und Birgitt Schröder aus Kayhude haben nun etwa 200 Unterschriften in der Gemeinde gegen die Kündigung gesammelt. „Das ohnehin kleine Angebot an gemeindeinternen Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten wird noch weiter eingeschränkt. Und das, obwohl der Bücherbus zu 55 Prozent durch Zuschüsse des Kreises und des Landes finanziert wird“, erläutern die beiden in einem Schreiben an Kayhudes Bürgermeister Bernhard Dwenger die Gründe für ihre Aktion.

2000 Euro muß die Gemeinde zusätzlich zur Förderung von Kreis und Land für den Bücherbus berappen. „Das ist eigentlich nicht viel Geld für das, was unser Bücherbus in der Gemeinde leistet“, sagt Dieter Buchholz (53), Leiter der Fahrbücherei. Zwar seien die Ausleihzahlen in Kayhude 2004 leicht rückläufig gewesen. Buchholz: „Doch wir haben immerhin 45 angemeldete Nutzer. Und wir wissen, daß die für etwa 120 Nutzer Medien ausleihen. Das ist dem Kayhuder Gemeinderat wohl zu wenig.“ Einen ähnlichen Betrag wie in den Bücherbus investiert die Gemeinde auch in die Ausstattung des Schulzentrums Nahe und die dortige Bücherei, sagt Buchholz. „Aber ich glaube kaum, daß unsere Kayhuder Nutzer nach Nahe fahren, um Bücher, Videos oder DVDs auszuleihen. Die fahren dann eher nach Norderstedt“, sagt Dieter Buchholz.

Katja Brandau und Birgitt Schröder fordern im Namen der anderen Bücherbusfreunde, daß der Gemeinderat seine Entscheidung revidieren soll. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, wollen sie die Unterschriftensammlung am 5. September um 16 Uhr öffentlich an den Bürgermeister übergeben. Und zwar, wenn gleichzeitig der Bücherbus seinen Stopp am Gemeindezentrum macht.

Insgesamt 80 404 Ausleihen verzeichnete die Fahrbücherei Norderstedt 2004. Buchholz und sein Team haben dem Trend zu Cassetten, Hörbüchern und Filmen auf DVD Rechnung getragen: Momentan gehören 445 Videos, 139 DVDs und 264 Computer-CDs zum Bestand. Dennoch liege der Schwerpunkt nach wie vor bei den Büchern, die den Rest der insgesamt 17 173 Medien der Fahrbücherei ausmachen.

[zum Artikel vom 26. August 2005, erschienen im Hamburger Abendblatt]

Kreis Soest: Unterstützung für Interessengemeinschaft Bücherbus

Bücherbus: Zugang zur Literatur nicht verwehren

ENSE/WICKEDE · Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Eike Hovermann unterstützt das Bürgerbegehren der „Interessengemeinschaft Bücherbus“ im Kreis Soest und hat deshalb alle Bewohner des Kreises aufgerufen, sich dem Begehren anzuschließen und mit ihrer Unterschrift den Kreistag zu zwingen, die Bildungsangebote „nicht einseitig zu Lasten von Geringverdienern“ abzubauen.

In Zeiten von Pisa sei es ein „Wahnwitz“, Bildungsangebote zu streichen statt weitere zu schaffen, sagte Hovermann. Wenn bereits der Zugang zur Literatur jungen Leuten in der Fläche verwehrt werde, dann müsse man sich nicht wundern, dass die Lesekompetenz von Schülern sich weiter verschlechtere […].
Soester Anzeiger, 16. August 2005

Köln: Der Bücherbus rollt wieder

Zumindest einer von zuletzt vier Bücherbussen der Stadtbibliothek Köln, die die Stadt seit Jahresende 2003 nicht mehr bezahlt, geht am 4. Juli zum ersten Mal wieder auf Fahrt. Ziemlich genau ein Jahr nach seiner Gründung hat der Förderverein der Bibliothek durch eine großzügige Spende des Bankhauses Sal. Oppenheim 70 000 Euro beisammen.

Wichtig war auch die Ausschüttung von 40 000 Euro aus den Bußgeldern des verurteilten Müllmultis Hellmut Trienekens, sonst wäre der Verein wohl noch nicht so weit. „Und wir können und wollen auch nicht endlos alleine Geld auftreiben“, sagt Vereinsvorsitzender Anton Bausinger. „Letztes Ziel ist, den Bücherbus wieder in städtische Hände zurückzuführen.“ Der Verein strebt eine Partnerschaft mit der Stadt an. Die Gesamtkosten von 70 000 Euro jährlich für Betrieb und Personal – der Verein hat eine eigene Bibliothekarin neu eingestellt – würden auf Dauer den Rahmen eines jeden Fördervereins sprengen. Bis Juli 2006 ist der Unterhalt „für einen den modernsten Bücherbusse Deutschlands“ (Neißer) gesichert. Um ihn darüber hinaus fahren zu lassen, sei der Verein jedoch weiter dringend auf Großspenden angewiesen. 50 Mitglieder – Einzelpersonen und Firmen wie der Verlag M. DuMont Schauberg – hat der Verein bislang. Der Bus verfügt auch über Werbeflächen.

Der Bus fährt – für zunächst ein Jahr – ab kommender Woche 15 Stationen wöchentlich an. Einige alte Stationen wie Ehrenfeld mussten jedoch wegfallen. Horst Neißer, Direktor der Stadtbibliothek: „Ein Bus kann nun mal nicht die Routen von vier Bussen abdecken.“ Die neue Streckenplanung berücksichtige jedoch alle Haltestellen mit der größten Nachfrage.
[zum Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger]

Meine Kindheit im Bücherbus

Aus der Kolumne „gottschalk sagt“ von Christian Gottschalk in der taz vom 30.6.2005:

Als ich gelesen habe, dass in Köln der Bücherbus wieder fährt, habe ich mich gefreut. Ich hätte meine Kindheit ohne den Bücherbus (jenen der Stadtbibliothek Hannover allerdings), vermutlich ohne Justus Jonas von den drei ??? (sprich: „Die drei Detektive“), Detektiv Kim (aus Kopenhagen) und die fünf Freunde verbringen müssen. Keine schöne Vorstellung. Börnie Klapproth und ich gingen meistens zusammen zum Bücherbus, der genau in unserer Reihenhaussiedlung eine Haltestelle hatte. Wir waren beide sehr gewissenhaft und brachten nie ein Buch zu spät zurück. Wir lasen viel, schnell und oft die gleichen Bücher.
[…]
Gibt es für meine Generation eigentlich auch so einen tollen Namen wie „Golf“ oder „X“? Ich wäre ja für „Generation, die ohne Sturzhelm Fahrrad fahren gelernt hat, gelben Sprudel trank, die drei ??? nicht auf Hörspielcassette gehört, sondern gelesen hat und TKKG scheiße findet“, oder: „Generation Bücherbus“.
[zum vollständigen taz-Artikel]

Übergangslösung im Kreis Soest

Bücherbus rollt bis Jahresende im Bereich Welver

WELVER · Trotz des beschlossenen „Aus“ für den Bücherbus, wird die rollende Bibliothek den Bereich Welver noch bis zum Jahresende ansteuern. Die zuständige Fachbereichsleiterin Maria Schulte-Kellinghaus erläutert: „Während alle anderen Kommunen über alternative kommunale oder kirchliche Bibliotheksangebote vor Ort verfügen, ist das in Welver aktuell nicht der Fall. Eine andere Lösung wird aber zurzeit angestrebt. Dieser besonderen Situation möchten wir im Interesse unserer Leserinnen und Leser durch ein entsprechendes Übergangsangebot begegnen. In Abstimmung mit dem Bürgermeister der Gemeinde Welver fahren wir bis zum Jahresende 2005 die bekannten Haltepunkte in Welver weiterhin einmal im Monat an.“
[…]
[aus dem Soester Anzeiger vom 28.6.2005]

Kreis Soest: Ausgelesen

Kreis Soest. (M.H.) Ausgelesen: Ende der Bibliothek auf Rädern. Die Fahrbücherei des Kreises Soest stellt zum 1. August ihren Betrieb ein.

SPD-Kreistagsabgeordnete Dr. Ulrike Gilhaus hatte nachgerechnet: „Fünf Millionen Bücher und Medien haben Leserinnen und Leser seit 1974 im Bücherbus ausgeliehen.“ Jetzt ist letzter Rückgabetermin. 33 der 60 Kreistagsmitglieder stimmten nämlich gestern Nachmittag für die Einstellung der Bücherei auf Rädern. Nach 30 Jahren legt der Kreis seinen Bus zum 1. August still. „Man muss Opfer bringen auf auf lieb Gewonnenes verzichten“, hatte Hans Günter Süggeler das von der CDU gewollte das Aus für den Bus begründet. Die prekäre Finanzlage des Kreises zwinge zum harten Schnitt. Zudem sei das Angebot heute nicht mehr zeitgemäß.

Die CDU favorisiert den Aufbau eines kreiseigenen Medienhauses, das sich um Leseförderung kümmern soll.

Ulrike Gilhaus sprach von einem „tief sitzenden Schock“ über die Schließungspläne. Schock auch darüber, dass die anderen Fraktionen ihre Einstellung geändert hätten. Gemeint war besonders die BG. Fraktionschef Theodor Kremer hatte sich lange für den Erhalt des Busses eingesetzt. Nun forderte die BG, ihn zumindest so lange rollen zu lassen, wie in den Gemeinden Ense, Erwitte und Welver eine bibliotekarische Grundversorgung noch nicht gesichert sei. Damit konnte sich die Fraktion im Kreistag jedoch nicht durchsetzen.

Wie viel durch die Einstellung des Busses gespart wird, ist unter den Fraktionen umstritten. Während die CDU angesichts des Zuschusses von 220 000 Euro pro Jahr hier ein großes Potenzial sieht, rechnete die SPD vor, dass ab 2006 gerade mal 46 000 Euro weniger ausgegeben werden könnten. Ulrike Gilhaus: „Eine Lachnummer.“ Die Abschaffung des Busses ei ein „klares Bekenntnis zum Sozialabbau“. Silvia Hupfeld (CDU) zog den Beitrag der Bibliothek für die Leseförderung dagegen in Zweifel. Diese Aufgabe könne das neue Medienhaus besser übernehmen. Leseförderung werde nicht behindert, wenn Kinder und Jugendliche in kommunalen oder kirchlichen Büchereien „50 Cent oder einen Euro“ zahlen müssten.[…]
[zum vollständigen Artikel in der Westfalenpost]