Wohin führt uns das Ausschreibungsrecht

Musterbus, Konzepte, Handreichung zu Ausschreibung neuer Fahrzeuge (im Aufbau)
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Thomas Pommert
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Wohin führt uns das Ausschreibungsrecht

Beitrag von Thomas Pommert » 11. Jun 2019, 16:14

Heute stand im Forum, dass die Ausschreibung für den neuen Bücherbus in Salzburg von einem Rechtsanwalt betreut wird. Nun kann man sagen, dass ist in Österreich, bei uns ist das anders. Stimmt nur auf den ersten Blick. Denn bei europaweiten Ausschreibungen haben wir es plötzlich mit einem österreichischem Anwalt zu tun. Dazu noch die Rechtfertigungen der Salzburger Stadtverwaltung (teilweise selbst Juristen), die erklären, dass die Spezifik das unumgänglich macht, zum Teil wegen der immer komplizierteren Rechtslage und der sich ändernden Technik. Die Kosten 20.000 €.

Was sollen wir als Hersteller von Sonderaufbauten und Spezialfahrzeugen machen? Wir haben nicht mal eine eigene Rechtabteilung. Unsere Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung macht schon einen erheblich Anteil an den Kosten aus. Oft genug hören wir, dass die Preise für die Fahrbibliotheken so hoch wären. Unbestritten, die Investitionssummen steigen. Die Technik an den Fahrgestellen wird durch die modernen Technologien immer aufwendiger, hält aber mit denen für die Abgaswaschanlagen kaum mit und die Stromversorgung auf Lithium-Ionen-Akkus als Basis mit Solarunterstützung für eine kompliziertere Bordtechnik verschlingt auch mehr Euros. Dazu möchten unsere Auftraggeber wie auch wir Hersteller, dass die Nutzer ein zeitgemäßes und schönes modernes Ambiente bekommen.

Allen, die sich mit diesen Anschaffungen beschäftigen, sind die Summen unterm Strich bekannt. Und dann schon vor dem ersten Pinselstrich einen Juristen für 20.000 € extra verpflichten? Dieser vertritt die Interessen seines Auftraggebers. Also muss der Auftragnehmer für seine Interessen ebenfalls einen Anwalt nehmen. Sonst ist der Ingenieur oder Kaufmann nicht mehr in der Lage, auf dem hohen juristischen Niveau in dem Vergabeprozess mitzuhalten. Und das kann schlimme Folgen für ihn haben. Also nochmal 20.000 € (für den Anfang) - In Summe also 40.000 € mehr. Das sind ca. 20 % der Kosten für eine FB 75 für ca. 3.000 bis 3.500 Medien von uns oder ca. 10 % der Kosten für einen der Bücherbusse.

Immer wieder kommt es zu Schließungen von Fahrbibliotheken aus finanziellen Gründen. Dann ist dieser Luxus wohl das letzte Problem, was die Betreiber brauchen. Wir können und wollen uns solche Ausschreibungen nicht leisten. Und bisher fanden wir immer einen vernünftigen Weg, der zu einem guten Ergebnis für Auftraggeber-, nehmer und vor allem die Nutzer, führte. Aber wir müssen achtsam sein, dass das Ausschreibungsrecht nicht irgendwann solche Schritte notwendig macht.

Mit sonnigen Grüßen aus Sachsen
Thomas Pommert
Fahrzeugbau Deckwerth Wurzen

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Freymann
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Re: Wohin führt uns das Ausschreibungsrecht

Beitrag von Freymann » 14. Jun 2019, 21:30

Hier geht es doch um Grundsätzliches: Unsere Gesellschaft muss sich fragen, was sie will: Eine Bürokratie voller Vorschriften, Genehmigungen und Formalien oder eine Bürokratie, die der Sache an sich dient. 40.000 Euro einzusetzen, damit man überhaupt auf Augenhöhe und rechtlich abgesichert verhandeln kann - wer soll denn das noch nachvollziehen? Wir verwalten uns zu Tode! #wallbash# Und Großprojekte warten vor sich hin, den Wohnungsbau behindern überaus zahlreiche sinn-volle und noch mehr sinn-lose Vorschriften und Auflagen, das Sozial- und Gesundheitssystem dokumentiert nur noch vor sich hin, anstatt sich um die Menschen zu kümmern - und das alles kostet Geld, dass für Zukunft unserer Kinder fehlen wird.
Wann machen unsere Politiker endlich ihre Hausaufgaben? :evil:

Ich hoffe aber trotzdem, lieber Herr Pommert, dass Sie mit einer guten Ausschreibung in Salzburg antreten können!! #yep#
Johannes v. Freymann - KFB Celle - Vors. dbv-Kommission Fahrbibliotheken
"Without libraries what have we? We have no past and no future."
(Ray Bradbury)
"Further on up the road ..."
(Billy Blue, Eric Clapton and many more)

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