Kreis Soest: Ense will Bücherbus!

Die Diskussion im Kreis Soest um die Zukunft des Bücherbusses geht weiter. Der Soester Anzeiger berichtet am 6.12.2005:

SPD korrigiert CDU-Aussage im Soester Kreistag: Noch keine Lösung gefunden
ENSE · SPD-Ratsfrau Marianne Neumann hat vergangene Woche in der Sitzung des Hauptausschusses ihre Kollegen von der CDU aufgefordert, eine Ausssage der Unions-Fraktionschefin Eva Irrgang im Kreistag zu revidieren. Die hatte Ende November bei der Beratung über die Beibehaltung des Bücherbusses mitgeteilt, die Gemeinde Ense habe inzwischen eine andere Lösung gefunden; nur in Welver gebe es noch Interesse.

Marianne Neumann verwies auf einen entsprechenden Beschluss des Enser Gemeinderates, wonach durchaus weiterhin großes Interesse an dem Bücherbus-Service besteht. Die Kommunalverwaltung war seinerzeit sogar aufgefordert worden, gemeinsam mit anderen Gemeinden nach einer vernünftigen Lösung zu suchen. Neumann: „Die ist bislang aber noch nicht gefunden!“

Bekanntlich befürworten Sozialdemokraten, die Bürgergemeinschaft und die Grünen im Kreisparlament die Beibehaltung des Bücherbusses bis zum Jahr 2010. Der Kreistag entscheidet endgültig am 15. Dezember

Bücher auf Rädern

aus der Freien Presse vom 5.12.2005:
Fahrbibliotheken gehören zu meist besuchten kulturellen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt

Halle (ddp-lsa). Sie gehören zu den meist besuchten kulturellen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt. Die acht Fahrbibliotheken im Land haben mit etwa 450 Haltestellen über 80 000 Besucher im Jahr.

Fahrbüchereien übernehmen die bibliothekarische Grundversorgung, insbesondere in Regionen mit einer geringen Besiedlungsdichte oder an Randzonen von Ballungsgebieten. Eine herausragende Eigenschaft der Bücherbusse ist ihre Flexibilität, so können auch kleinste Siedlungen versorgt werden. «Fahrbibliotheken können auf Veränderungen in der Orts- und Bevölkerungsstruktur schnell reagieren«, sagt Martina Schulz von der Landesstelle für öffentliche Bibliotheken in Halle. So könnten Haltepunkte und Haltezeiten relativ einfach verändert werden. Gerade bei der Flaute in den öffentlichen Kassen sei es wichtig, bibliothekarische Arbeit zu zentralisieren. »Nicht in jeder Gemeinde muss eine Bibliothek eingerichtet werden. Fahrbüchereien können diese Aufgabe für ein ganzes Kreisgebiet übernehmen», erläutert Schulz.

Gegenwärtig gibt es in Sachsen-Anhalt noch acht Fahrbibliotheken, 1994 waren es noch zwölf. In den Kreisen Mansfelder Land, Merseburg-Querfurt, Salzwedel und Stendal werden die Bücherbusse von den Landratsämtern finanziert, in Halle und Magdeburg unterhalten die Städte die Fahrbüchereien. Alternative Trägerkonzepte gibt es in den Landkreisen Köthen und Weißenfels, dort betreiben ein soziokultureller Verein beziehungsweise ein regionales Reiseunternehmen den fahrbaren Medienverleih.

Die zumeist schwierige Kassenlage der Kommunen stellt auch die Fahrbibliotheken vor die Existenzfrage. So wurden in den vergangenen Jahren im Burgenlandkreis zwei Fahrbüchereien eingestellt, und auch im Mansfelder Land und im Landkreis Stendal wurde jeweils ein Bücherbus stillgelegt. Doch es gibt auch positive Signale. «Wir sind froh, dass uns erst kürzlich der Landkreis die Finanzierung für die nächsten drei Jahre zugesichert hat», sagt Bibliotheksleiter Manfred Güßfeld von der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal.

Die acht Fahrbibliotheken haben insgesamt etwa 214 00 Medien an Bord, von Belletristik, Kinderliteratur und Comics über Sach- und Fachliteratur bis hin zu Zeitschriften, DVDs, CDs und Hörbüchern. 2004 wurden an den etwa 450 Haltestellen über 440 000 Medien entliehen. Aber auch bei Projekttagen an Schulen und Jugendclubs oder Kulturmärkten sind Fahrbüchereien dabei, an Bord sind dann Autoren oder Kleinkünstler.

Fahrbibliotheken tragen auch zur Chancengleichheit bei. «Gerade Kinder und ältere Menschen, aber auch sozial Schwache sind meistens nicht so flexibel wie die berufstätigen Bewohner des Ortes, die ohne größere Probleme in die Bibliothek der nächst größeren Stadt fahren können», erklärt Martina Schulz.

Kreis Soest: Politiker kämpfen um den Bücherbus

der Soester Anzeiger berichtet am 2.12.2005 über die anhaltende Diskussion um den Bücherbus:

WELVER · Der Bücherbus des Kreises Soest soll noch bis 2010 die Welveraner Ortsteile mit Lesestoff versorgen. Das forderte Klaus-Theo Rohe (SPD) am Mittwochabend im Hauptausschuss. Dazu müsse das Personal gemeinsam mit der „IG Bücherbus“ bis zum 31. März 2006 einen sinnvollen Netzplan erarbeiten. „Das liegt genau in unserem Interesse“, so Rohe. Dem pflichtete auch Jürgen Dahlhoff (BG) bei: „Es wird Zeit, dass wir auch einmal von der Solidargemeinschaft profitieren statt immer nur zu zahlen.“ Zustimmung auch von der CDU. Deren Fraktionsvorsitzender Ingo Teimann würde die Weiterfahrt des Bücherbusses „ausdrücklich begrüßen“, setzt aber gleichzeitig auf Parallelplanungen, falls das Ansinnen bei der Abstimmung am 15. Dezember im Kreistag scheitern sollte. Für Bürgermeister Wolfgang Hörster wäre der Weiterbetrieb der rollenden Bibliothek angesichts der eigenen leeren Haushaltskassen der Königsweg: „Das ist auf jeden Fall für uns die kostengünstigste Lösung.“ Die abgespeckte Fahrtroute des Bücherbusses führt für den Kreis Soest schon jetzt zu einer Kostenhalbierung auf rund 120 000 Euro pro Jahr. „Dieser Posten fällt angesichts des riesigen Haushaltsvolumens kaum ins Gewicht“, so Rohe.

In einem gemeinsamen Antrag wollen die Kreistagsfraktionen von SPD, BG und Grünen den Bücherbus bis 2010 sichern und bemühen sich derzeit um die Zustimmung der anderen Kreistagsfraktionen.

Frankfurt: Bibliothek auf vier Rädern rüstet auf

Statt Karteikarten setzt der Bücherbus künftig moderne Technik ein / 85 000 Medien werden jährlich verliehen

[…]

Bücherbus:
November 1929: Der erste Bücherbus startet mit rund 4600 Bänden, sechs Stadtteile werden wöchentlich angefahren.
Nach 1933 wird der Zwei-Tonnen-
Laster durch einen PKW mit Anhänger ersetzt. Bis 1942 wird die Zahl der Haltepunkte auf neun erhöht. Am 3. Juni 1944 wird der Betrieb eingestellt.
3. November 1958: Die rollende Bücherei startet erneut mit einem Bus.1963 wird ein zweiter Bus angeschafft. Heute sind zwei Busse
unterwegs, an 33 Orten in der Stadt können Bücher ausgeliehen werden, rund 85 000 Ausleihen werden pro Jahr registriert.

Die Frankfurter Rundschau berichtete am 02.12.2005

30 Jahre Fahrbibliothek Darmstadt

Bereits am 8.9.2005 erschien in der Frankfurter Rundschau ein Artikel zum 30jährigen Bestehen der Fahrbibliothek Darmstadt:

Bücherbus bringt seit dreißig Jahren Literatur zu den Lesern
[…] Die Fahrbibliothek feiert ihr dreißigjähriges Bestehen. Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) würdigte die Arbeit des Fördervereins, der den Bücherbus vor 15 Jahren vor dem Schrottplatz rettete.

Darmstadt · Darmstadts rollende Bibliothek sei zwar ein Oldtimer, Angebot und Service wären jedoch jung und modern geblieben. So beglückwünschte Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) das dreiköpfige Team der Fahrbibliothek und die Direktorin der Stadtbibliothek Darmstadt, Brigitte Nauhaus-Hofschen. Er würdigte auch das Engagement der Freunde der Stadtbibliothek Darmstadt. Deren Vorsitzender Martin Bredol überreichte einen Scheck über 500 Euro für kleine Reparaturen oder zur Anschaffung von Medien.
Der Förderverein hat sich vor 15 Jahren zur Rettung der Fahrbibliothek gegründet. Elisabeth Ebhardt, ehemalige Vorsitzende, erinnert sich: „Bei so vielen Kindern, die sich da Bücher holten, durfte es mit dem Bücherbus nicht zu Ende sein.“ Die Reparatur eines Defekts war der Stadt zu teuer, sie wollte den Bus abschaffen. Ebhardt sammelte Unterschriften und Geld und holte sich Unterstützung bei den Parteien. Schließlich zahlte der Magistrat die Differenz zwischen Spenden und Reparaturkosten.
Wenn der Bus heute repariert werden muss, tauchen ganz andere Probleme auf. Die Mechaniker vom EAD finden kaum noch Ersatzteile. Beim letzten Defekt vor zwei Jahren telefonierten sie drei Tage lang Schrottplätze in ganz Deutschland ab, bis sie die passende Schraube gefunden hatten.
Bibliothekarin Karen Mutschler leitet die mobile Bücherei seit vier Jahren. In Zusammenarbeit mit der Ludwig-Schwamb-Schule hat sie 2003 die Leseförderung auf dem Schulhof ins Leben gerufen. Im Wechsel mit der Andersen-Schule fährt der Bus jeden Donnerstagvormittag zu den Eberstädter Grundschülern.
Das Konzept zeigt Erfolge. Die Fahrbibliothek verzeichnet Zuwachsraten, von denen die Wirtschaft nur träumen kann. Im vergangen Jahr gingen über 60 000-mal Medien über den Tisch; fast acht Prozent mehr als noch 2003. Und die Tendenz ist weiter steigend. Im ersten Halbjahr 2005 waren es bereits über 40 000 Ausleihen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das knapp 19 Prozent mehr. Alleine 2004 meldeten sich 376 neue Leser an. Insgesamt sind es zur Zeit 2274.
Inzwischen ist der Mercedes der dienstälteste aktive Bücherbus in ganz Deutschland. Fahrer Karl-Heinz Forster erkannte den Seltenheitswert und wandte sich an das Mercedes-Benz Classic Magazin. In der aktuellen Ausgabe wird der Bus nach drei Jahrzehnten im Dienste der Medien nun selbst zum Textgegenstand. […]

auch von dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

Berlin-Tempelhof: Bücherbus rollt wieder

Nach der Berliner Zeitung widmet nun auch die Berliner Morgenpost dem aufgemöbelten Bücherbus einen Artikel:

Sponsor finanziert Neuanschaffungen
Durch Tempelhof-Schöneberg rollt wieder der Bücherbus. Daß der Bus rundum erneuert, mit neuem Bücherbestand und 400 speziell für Grundschulen gepackten „Medienkisten“ wieder auf Tour gehen kann, ist der Berlin Recycling GmbH zu verdanken. Das in Schöneberg ansässige Unternehmen unterstützt den Bus mit einem Sponsoring-Vertrag für die kommenden vier Jahre. „Einen sechsstelligen Betrag“ habe das Unternehmen dafür bereitgestellt, informiert Berlin-Recycling Geschäftsführer Rainer Kröger bei der Vorführung der rollenden Bücherei vor dem Rathaus Schöneberg.

Als erste durften Viertkläßler von der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld den Bus testen und eine der neuen Medienkisten in Empfang nehmen. „Wir sind für solches bürgerschaftliches Engagement dankbar“, so der Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU). Zwar gebe es an nahezu allen Berliner Schulen Büchereien, so Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall. „Doch die Ausstattung ist je nach ehrenamtlichem Engagement der Eltern und Lehrer sehr unterschiedlich“, berichtet der Landesschulrat.

Die fahrbare Bibliothek tourt wöchentlich 38 Stunden mit ihren mehr als 28 000 Medien durch Mariendorf, Lichtenrade und Tempelhof. Daß der Bus gerade in den Gebieten, in denen es keine Stadtbüchereien gibt, gut angenommen wird, belegen Zahlen: 2004 nutzen mehr als 30 000 Besucher den Bus und entliehen 91 061 Bücher.

Seit 1967 gibt es die Fahrbibliothek in Tempelhof-Schöneberg. Sechs weitere Bezirke nutzen die rollenden Bibliotheken. Spandau, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln, Treptow-Köpenick leisten sich jeweils einen Bus, in Mitte sind es sogar drei Busse.

Leseland ist abgebrannt

Finanznotstand der Kommunen zwingt kleine Bibliotheken in die Knie
Schwerin • Durch die angespannte Finanzsituation der Kommunen droht kleinen Bibliotheken in Mecklenburg-Vorpommern immer häufiger das Aus. Besonders dramatisch sei die Situation der Fahrbüchereien, schlägt der Bibliotheksverband des Landes Alarm.

[…] Fahrbibliotheken – noch vor wenigen Jahren galten sie als kulturelle Vorzeigeprojekte und als unverzichtbar für die ländlichen Gebiete Mecklenburg-Vorpommerns. Inzwischen gibt es nur noch sieben fahrbare Büchereien, die in sechs Landkreisen unterwegs sind.

Drei mussten im vergangenen Jahr in Grimmen, Malchin und Teterow schließen. In Wolgast gab die Fahrbücherei im vergangenen Monat auf.

Doch auch die noch Bestehenden sind in ihrer Existenz bedroht. „Fahrbibliotheken sind leider zum Auslaufmodell geworden“, sagte gestern Thomas Beyer, Vorsitzender des Bibliotheksverbandes, auf der Jahrestagung in Schwerin. Grund für das Sterben der fahrenden Büchereien sei die Finanznot der Kommunen. Es würden sich kaum noch Gemeinden finden, die Geld für Fahrbibliotheken zusammenlegen.
[…]

[zum vollständigen Artikel bei der Schweriner Volkszeitung online]

Landkreis Teltow-Fläming: Konzentration auf die Fahrbibliothek?

[…]
Der Kreis Teltow-Fläming zieht sich überraschend aus dem Vorhaben „Bibliothek im Bahnhof“ in Luckenwalde (Brandenburg) zurück. In einem persönlichen Gespräch teilte Landrat Peer Giesecke (SPD) am Mittwoch Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) mit, dass er die entsprechende Beschlussvorlage im Kreistag zurückziehen werde.
[…]
Gegenüber der Bürgermeisterin begründete Giesecke sein Umschwenken mit der prekären Lage des Kreishaushaltes. Angesichts des enormen Konsolidierungsdrucks halte er es für nötig, das Bibliothekswesen komplett umzugestalten. Nach Gieseckes Willen soll sich der Kreis künftig nur noch auf die Fahrbibliothek und Koordinierungsaufgaben beschränken, war von der Bürgermeisterin zu erfahren. Der Aufwand in der als Kreis- und Stadtbibliothek betriebenen Einrichtung – insbesondere durch elf Personalstellen – gehe nach Gieseckes Ansicht weit über die Pflichtaufgabe des Kreises hinaus. […]
[zum vollständigen Artikel der Märkischen Allgemeinen]