Bücher auf Rädern

aus der Freien Presse vom 5.12.2005:
Fahrbibliotheken gehören zu meist besuchten kulturellen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt

Halle (ddp-lsa). Sie gehören zu den meist besuchten kulturellen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt. Die acht Fahrbibliotheken im Land haben mit etwa 450 Haltestellen über 80 000 Besucher im Jahr.

Fahrbüchereien übernehmen die bibliothekarische Grundversorgung, insbesondere in Regionen mit einer geringen Besiedlungsdichte oder an Randzonen von Ballungsgebieten. Eine herausragende Eigenschaft der Bücherbusse ist ihre Flexibilität, so können auch kleinste Siedlungen versorgt werden. «Fahrbibliotheken können auf Veränderungen in der Orts- und Bevölkerungsstruktur schnell reagieren«, sagt Martina Schulz von der Landesstelle für öffentliche Bibliotheken in Halle. So könnten Haltepunkte und Haltezeiten relativ einfach verändert werden. Gerade bei der Flaute in den öffentlichen Kassen sei es wichtig, bibliothekarische Arbeit zu zentralisieren. »Nicht in jeder Gemeinde muss eine Bibliothek eingerichtet werden. Fahrbüchereien können diese Aufgabe für ein ganzes Kreisgebiet übernehmen», erläutert Schulz.

Gegenwärtig gibt es in Sachsen-Anhalt noch acht Fahrbibliotheken, 1994 waren es noch zwölf. In den Kreisen Mansfelder Land, Merseburg-Querfurt, Salzwedel und Stendal werden die Bücherbusse von den Landratsämtern finanziert, in Halle und Magdeburg unterhalten die Städte die Fahrbüchereien. Alternative Trägerkonzepte gibt es in den Landkreisen Köthen und Weißenfels, dort betreiben ein soziokultureller Verein beziehungsweise ein regionales Reiseunternehmen den fahrbaren Medienverleih.

Die zumeist schwierige Kassenlage der Kommunen stellt auch die Fahrbibliotheken vor die Existenzfrage. So wurden in den vergangenen Jahren im Burgenlandkreis zwei Fahrbüchereien eingestellt, und auch im Mansfelder Land und im Landkreis Stendal wurde jeweils ein Bücherbus stillgelegt. Doch es gibt auch positive Signale. «Wir sind froh, dass uns erst kürzlich der Landkreis die Finanzierung für die nächsten drei Jahre zugesichert hat», sagt Bibliotheksleiter Manfred Güßfeld von der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal.

Die acht Fahrbibliotheken haben insgesamt etwa 214 00 Medien an Bord, von Belletristik, Kinderliteratur und Comics über Sach- und Fachliteratur bis hin zu Zeitschriften, DVDs, CDs und Hörbüchern. 2004 wurden an den etwa 450 Haltestellen über 440 000 Medien entliehen. Aber auch bei Projekttagen an Schulen und Jugendclubs oder Kulturmärkten sind Fahrbüchereien dabei, an Bord sind dann Autoren oder Kleinkünstler.

Fahrbibliotheken tragen auch zur Chancengleichheit bei. «Gerade Kinder und ältere Menschen, aber auch sozial Schwache sind meistens nicht so flexibel wie die berufstätigen Bewohner des Ortes, die ohne größere Probleme in die Bibliothek der nächst größeren Stadt fahren können», erklärt Martina Schulz.

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