Nordwestmecklenburg: Rollende Bibliothek gerät ins Schlingern

Vielen Gemeinden wird der Bücherbus zu teuer
Nordwestmecklenburg • Einige Jugendliche und eine Mutter mit Kinder warteten gestern in Alt Steinbeck sehnsüchtig auf einen blauen Bus. Alle drei Wochen macht hier die Fahrbibliothek Station. Doch die Finanzierung des Angebots wackelt, weil einige Gemeinden ihren Zuschuss nicht aufbringen können.

So weit wie im Landkreis Parchim ist es im Nordwestkreis allerdings noch nicht: Dort fährt der Bücherbus vor den Sommerferien zum letzten Mal in die Ortschaften. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird der Bus verkauft und die Bibliothekarin übernimmt wöchentliche Kurierfahrten zu den Schulen. „Dort können alle Leseratten die vorher bestellten Bücher in Empfang nehmen“, sagt Horst Derer vom Parchimer Kulturamt. Auch im Nordwestkreis steht die Fahrbibliothek immer wieder zur Disposition.

Nutzung teurer geworden
Das Angebot des Landkreises war für die Nutzer zunächst noch kostenlos. Mittlerweile werden Gebühren erhoben. Die Gemeinden, in denen der Bus hält, beteiligen sich schon immer an den Kosten. Doch auch hier stieg 2004 der Anteil der Zuschüsse pro Einwohner und Jahr von 1,02 Euro auf 2,04 Euro. Für sieben von 29 teilnehmenden Gemeinden im Kreis ist das zu viel. Sie stiegen aus dem Vertrag aus. In Bülow (vor der Gemeindefusion), Schlagsdorf, Carlow, Groß Molzahn, Wedendorf, Utecht und Roggendorf macht der Bus seither nicht mehr Halt.

Jetzt beschloss auch die Gemeindevertretung Königsfeld, aus der Mitfinanzierung der Fahrbibliothek auszusteigen. Für Bürgermeister Klaus Babbe war dies vor allem eine wirtschaftliche Entscheidung: „Eine Erhöhung der Gebühren um 100 Prozent ist einfach zu teuer für unsere Gemeinde mit ihren 1027 Einwohnern.“

Trotz dieser Einbußen, ist die Finanzierung der Fahrbibliothek für die nächsten Jahre noch gesichert, sagt Uwe Schnabel, Leiter des Kreismedienzentrums. Wenn allerdings noch mehr Gemeinden sich das Angebot nicht mehr leisten können, wird die Finanzierung des Bücherbuses schwierig. Schnabel: „Noch bis zum September können Gemeinden den Vertrag kündigen.“ Zum Glück garantiere ein Kreistagsbeschluss die Weiterfahrt – „zumindest solange der Bus die TÜV-Plakette hat“.

Letzte Kulturinsel im Dorf
Finanziellen Spielraum gibt es nicht: Jede Gebührenerhöhung, ob bei den Gemeinden oder den Lesern, würde zu sinkenden Nutzerzahlen führen, fürchtet Uwe Schnabel. Dem Kreis kostet die Fahrbibliothek jährlich 100000 Euro. Beim Land können lediglich 5000 Euro Fördergeld beantragt werden.

Die Dorfbewohner, vor allem Kinder, Familien und ältere Menschen, sind aber auf den Bücherbus angewiesen. In vielen kleinen Orten sei er die letzte kulturelle Institution, sagt Bus-Bibliothekarin Gabriele Gramenz. Katja Schmidtke
[zum Artikel der Gadebusch-Rehnaer Zeitung]

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