Märkischer Kreis: weitere Proteste gegen drohende Schließung

Aus der Mendener Zeitung vom 15.3.2006:

Hauptausschuss spricht sich für den Erhalt des Bücherbusses aus

[…] MENDEN · Mehrheitlich hat sich der Hauptausschuss in seiner gestrigen Sitzung dafür ausgesprochen, dass der Bücherbus der Märkischen Kreises auch in Zukunft weiter rollt. Dieses Votum wird der Bürgermeister dem Landrat übermitteln, der den Willen der Stadt Menden dem Kreisausschuss und dem Kreistag kund tun soll.
Fachbereichsleiter Volker Fleige hatte kurz einige Zahlen zu den Ausleihen bekannt gegeben und festgestellt, dass insbesondere Kinder und ältere Menschen am Bücherbus partizipieren. „Diese Einrichtung sollte weiter vorgehalten werden“, lautete seine klare Aussage, der sich der Ausschuss ohne Diskussion mehrheitlich anschloss. […]

Auch in weiteren Gemeinden wird Protest laut:

Valberter fürchten „Buch-Boykott“
Fahrbücherei wurde im Jahr 2005 im Raum Valbert rege genutzt

VALBERT · Die Zweigstelle der Stadtbücherei Valbert wurde bekanntlich an die Ebbeschule abgegeben – nun droht auch die Fahrbücherei des Märkischen Kreises als „Lesestoff-Lieferant“ wegzufallen. Wie bereits berichtet haben Kreis-CDU und -FDP im Kulturausschuss dafür plädiert, auf diesem Wege etwa 250 000 Euro einzusparen. Droht Valbert nun also ganz vom öffentlichen Lesestoff abgeschnitten zu werden? Das wäre ein großer Verlust, denn gerade die Fahrbücherei hatte in Meinerzhagen die meisten Leser im Bereich Valbert. Im Jahr 2005 liehen insgesamt 136 Leser 614 Medien in Valbert aus. In Wilkenberg waren es 45 Leser und 267 Medieneinheiten), in Worbscheid 85 (216 Einheiten) und in Hunswinkel sogar 106 (502 Einheiten). In der Vergangenheit wurden die Haltestellen im ländlich geprägten Raum einmal pro Monat angefahren. Ob die Schließung abzuwenden ist, bleibt abzuwarten. Momentan formiert sich aber auch in der Kreisstadt Lüdenscheid Widerstand gegen die Abschaffung der Fahrbücherei, deren Angebot schon vor Jahren von zwei auf einen Bücherbus reduziert wurde.
Ob sich der wahrscheinliche Wegfall der Fahrbücherei positiv auf die Ausleihzahlen der Stadtbücherei in Meinerzhagen auswirken könnte, bleibt abzuwarten. […]
Aus den Lüdenscheider Nachrichten vom 16.3.2006.

ebenso in Schalksmühle:
„Aufgabe der Fahrbücherei ein irreparabler Serviceverlust“
Rat verabschiedet Resolution zur Erhaltung des Bücherbusses. Gemeinde verzeichnet höchste Ausleihquote im Kreis. Kreistag entscheidet über Abschaffung am 23. März

SCHALKSMÜHLE · „Der Rat der Gemeinde Schalksmühle plädiert für den Fortbestand der Fahrbücherei und protestiert gegen die Aufgabe der Kreisfahrbücherei. Die Gemeinde Schalksmühle erwartet, dass der Kreistag der Aufgabe der Fahrbücherei nicht zustimmt und eine Lösung beschließt, die den Einsatz des Bücherbusses weiterhin zulässt.“ Diese Resolution zum Erhalt der Fahrbücherei verabschiedete der Rat in seiner Sitzung am Montag – bei einer Enthaltung – um sie anschließend Landrat Aloys Steppuhn zukommen zu lassen. Wie berichtet, wollen die Mehrheitsfraktionen von CDU und FDP im Kreistag den Bücherbus zum nächstmöglichen Zeitpunkt abschaffen. Entschieden werden soll darüber in der Sitzung am 23. März.
Die Fahrbücherei des Märkischen Kreises bediene in der Gemeinde Schalksmühle an zehn Haltepunkten Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Lesestoff. „Im vierwöchigen Turnus sind in der Gemeinde im Jahr 2005 insgesamt 11 555 Ausleihen entstanden. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist in Schalksmühle damit die höchste Ausleihquote zu verzeichnen“, heißt es in dem Schreiben.

Die vom Kulturausschuss des Kreises empfohlene Aufgabe des Bücherbusses nehme den Bürgern die dezentrale Grundversorgung mit Büchern in der Ausleihe. „Auf der einen Seite wird die Leseunfähigkeit der Heranwachsenden kritisiert, auf der anderen Seite wird ihnen die Möglichkeit genommen, sich vor Ort mit Literatur zu versorgen.“ Mit Blick auf die ländlichen Siedlungen sowie abgelegenen Ortschaften und besonders im Hinblick auf die Kinder und Jugendlichen, die nicht mobil seien, sei die diskutierte Aufgabe des Bücherbusses ein nicht reparabler kultureller Service- und Niveauverlust, der mit Gemeindemitteln nicht aufzufangen sei. „Der kulturelle Wert der rollenden gut ausgestatteten Bücherei mit dem Literaturservice vor Ort hat gerade in der heutigen Zeit eine besondere Bedeutung, weil sie eine wichtige Alternative zu dem zunehmend unkritischen Medienkonsum vorwiegend bei Kindern und Jugendlichen darstelle“, heißt es in dem Schreiben abschließend. · kes
aus den Lüdenscheider Nachrichten vom 15.3.2006

Schreibe einen Kommentar