Buer: Kurzporträt der „Mobilen Bibliothek“

Unter dem Titel Bücher auf Rädernberichtet die Westdeutsche Allgemeine am 25.07.2007:

Die Mobile Bibliothek ist im ganzen Stadtgebiet unterwegs. 4000 Medien sind immer an Bord.

Ausleihen ist ganz einfach – die Leser schätzen vor allem die kurzen Wege

Dieser Bus hält nur an ausgewählten Haltestellen und auch nur ein einziges Mal pro Woche. Dann darf man zwar einsteigen, aber nicht mitfahren. Trotzdem tut das der Popularität keinen Abbruch, schließlich kommt es bei diesem Bus auf das Innenleben an.

Mittwoch, Punkt 12 Uhr: Die „Mobile Bibliothek“ steuert den ersten Halt in der Nähe der Velsenstraße an. Kaum hat sich die Tür geöffnet, da ist auch schon die erste Leserin zugestiegen. „Ich komme jede Woche, weil das hier so wahnsinnig praktisch ist. Ich wohne nämlich direkt da vorne“, erzählt Michaela Lubek. Dann schiebt sie bunte Lesebücher für ihren fünfjährigen Sohn und ihren Bücherei-Ausweis über die kleine Theke, lässt Andrea Szuka (43) mit einem Scanner darüber fahren – und schon darf sie den Lesestoff mitnehmen.

Auf dem Weg nach draußen kommt ihr ein Dutzend Kindergartenkinder entgegen, die alle den Bücherbus ansteuern. Allerdings nicht, um sich Bücher zu leihen – diese kleinen Fans kommen regelmäßig, um sich hier von Wolfgang Roslan (60), der den Bus steuert, einen kleinen Stempel auf die Hand abzuholen. „Das sind unsere Leser von morgen“, sagt Roslan lachend und stempelt.

Wie sehr dieser Spruch zutrifft, zeigt das Beispiel von Katharina Schulte, die wenig später die Mobile Bibliothek betritt: Die 19-Jährige kommt schon hierher, seit sie lesen kann. „Habt ihr auch Bücher in englischer Sprache?“, fragt sie. „Ich fange nämlich jetzt bald an, Englisch zu studieren. Und da will ich natürlich gut vorbereitet sein.“ Andrea Szuka und Wolfgang Roslan schütteln zeitgleich den Kopf. „Nee, vorrätig haben wir hier derzeit nichts. Wir können dir aber beim nächsten Mal was mitbringen. Oder du fährst mal eben in die Stadtteilbibliothek nach Buer. Die haben nämlich ziemlich viel Englischsprachiges auf Lager“, sagt Szuka, die versucht, jeden Wunsch zu ermöglichen.

„Die Vorbestellungen sind kostenlos. Wir holen sie dann aus der Zentralbibliothek oder aus einer Zweigstelle und bringen sie beim nächsten Mal mit.“ Dieser Service kommt bei den Lesern gut an. Aber auch ohne Vorbestellungen hat die rollende Bibliothek einiges zu bieten: 4000 Medien sind hier immer an Bord, die Spannbreite reicht vom Lese- bis zum Kochbuch, Pop-CD´s, Videos und aktuelle DVD´s gibt es auch. „Wenn wir merken, dass ein Artikel nicht mehr nachgefragt wird, dann wird er ausgetauscht“, sagt Andrea Szuka, die hier Abteilungsleiterin ist.

Seit sechs Jahren fährt sie regelmäßig auf der Strecke mit, ihr Kollege Roslan ist sogar schon seit 13 Jahren dabei. „Der Bus ist jetzt 17 Jahre alt und man merkt ihm das manchmal auch an. Wir hoffen, dass er nicht schlapp macht, denn für größere Reparaturen reicht unser Etat leider nicht. Dann müsste der Bus stehenbleiben“, erklärt Szuka.

Für Maria Schmidt (84) wäre das ein kleines Drama. Mittlerweile sind wir mit dem Bus in Hassel angelangt, wo er gegenüber des Bonnis parkt. „Ich komme jede Woche hierher, seit die Stadtteilbibliothek hier geschlossen hat“, sagt die Stammkundin.

Auch in Hassel hat sich der Bus zum Treffpunkt entwickelt, das Klientel ist bunt gemischt. „Das Angebot ist auch wirklich sehr gut hier“, schwärmt Melik Gülsoy (25). Ihr Sohn Akin (5) hat sich in Windeseile ein Kindervideo ausgesucht. Auch hier lauert schon ein Leser von morgen…

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