Weida: Fahrbücherei auf dem Prüfstand

Weidas Bürgermeister räumt Frist bis Mai ein, um Kostendeckung zu erreichen

Mit bunten Comic-Aufklebern hat die Weidaer Stadtverwaltung den blauen Bus der Fahrbücherei aufgepeppt. Doch so richtig will das Service-Mobil für Leseratten auf dem Land nicht ankommen. […]

Wir können nur etwa 100 Anmeldungen nach den ersten drei Durchgängen verzeichnen, sagt Weidas Hauptamtsleiterin Bettina Gunkel. Im Rathaus habe man sich das Zehnfache versprochen. Damit sei keine Kostendeckung möglich. Denn mit zwölf Euro Mitgliedsbeiträgen im Jahr pro Lesenase kann die Fahrbücherei keine Sprünge machen.

Noch im November hatte Weidas Bürgermeister Werner Beyer (parteilos) die Rettung der Fahrbücherei des Landkreises angekündigt und stellte im Januar den blauen Bus unter Weidaer Flagge. Als Voraussetzung dafür hatte Beyer aber auf das notwendige Kleingeld hingewiesen, ein Zuschussgeschäft sollte der Service für das Umland keinesfalls werden. Die Zahl von 1200 Lesern ist 2005 im Gespräch gewesen (wir berichteten). Wenn die Zahl stimmt und jeder einen Euro im Monat bezahlt, können wir die Fahrbücherei retten, hatte Beyer damals erklärt.

Doch diese Hoffnung scheint sich aufzulösen. Zunächst hatte sich die Zahl als illusorisch erwiesen. Wer wirklich aktiver Nutzer ist, stellt sich wohl auch erst direkt vor Ort heraus. Einige hätten ihren Ausweis abgegeben, als sie von der neuen Kostenpflicht hörten, sagt Fahrer Mario Geschwandtner. Dass hinter der ausbleibenden Leserschaft die doch eher geringe Belastung von einem Euro im Monat stehen soll, will Bettina Gunkel nicht glauben. Kinder unter zwölf Jahren zahlen ohnedies nur die Hälfte. Der Nutzer sei gleichzeitig auch Mitglied der Weidaer Bibliothek, kann also auch beim Stadtgang seinen Büchertausch vornehmen, argumentiert die Hauptamtschefin. Auch das Angebot ist mit 6000 so genannten Medieneinheiten vom klassischen Buch über Lexika bis Video, Kassette und CD durchaus respektabel und bietet für jeden Geschmack etwas.

Die Fahrbücherei fährt einmal im Monat 16 Orte an – von Seelingstädt über Hilpersdorf bis nach Frießnitz und Hohenölsen. Vormittags und am frühen Nachmittag ist der Bus mit seiner wunderbaren Fracht unterwegs. Rund 12000 Euro koste der Service im Jahr mit Sprit und Versicherungen, so die Hauptamtsleiterin. Um die Kosten im Zaum zu halten, könne nicht jedes Dorf angefahren werden. So falle Steinsdorf aus der Route heraus. Dort werde der Service nicht angenommen, erklärt Bettina Gunkel. Anders in Brahmenau und Braunichswalde, wo schon mal 150 Artikel rein und raus gehen, berichtet Christiane Brahmann.

Bis Ende Mai gibt der Weidaer Bürgermeister der Fahrbücherei Zeit. Dann werde Kassensturz gemacht. Sollten die Mindestzahl von 500 Lesern nicht erreicht werden, stünde der Strecken- und auch Zeitfahrplan auf dem Prüfstand. Ein Dorf mit zwei Lesern kann eben nicht mehr angefahren werden, so Beyer. Werden die Kosten auch dann nicht gedeckt, könnte dies das Aus bedeuten. Darin will Beyer keinen Zweifel lassen. […]

aus der Ostthüringer Zeitung vom 22.03.06

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