Meine Kindheit im Bücherbus

Aus der Kolumne „gottschalk sagt“ von Christian Gottschalk in der taz vom 30.6.2005:

Als ich gelesen habe, dass in Köln der Bücherbus wieder fährt, habe ich mich gefreut. Ich hätte meine Kindheit ohne den Bücherbus (jenen der Stadtbibliothek Hannover allerdings), vermutlich ohne Justus Jonas von den drei ??? (sprich: „Die drei Detektive“), Detektiv Kim (aus Kopenhagen) und die fünf Freunde verbringen müssen. Keine schöne Vorstellung. Börnie Klapproth und ich gingen meistens zusammen zum Bücherbus, der genau in unserer Reihenhaussiedlung eine Haltestelle hatte. Wir waren beide sehr gewissenhaft und brachten nie ein Buch zu spät zurück. Wir lasen viel, schnell und oft die gleichen Bücher.
[…]
Gibt es für meine Generation eigentlich auch so einen tollen Namen wie „Golf“ oder „X“? Ich wäre ja für „Generation, die ohne Sturzhelm Fahrrad fahren gelernt hat, gelben Sprudel trank, die drei ??? nicht auf Hörspielcassette gehört, sondern gelesen hat und TKKG scheiße findet“, oder: „Generation Bücherbus“.
[zum vollständigen taz-Artikel]

Köln: Der Bücherbus rollt vorerst wieder

berichtet die TAZ Köln in der heutigen Ausgabe:
Der Kölner Bücherbus geht ab kommendem Montag wieder auf Ausleihfahrt. Für zunächst ein Jahr wird die mobile Bibliothek im wöchentlichen Rhythmus 15 verschiedene Ortsteile ansteuern. 2003 waren die damals fünf Büchereibusse den Sparmaßnahmen der schwarz-grünen Mehrheit im Rat zum Opfer gefallen.

„Wir sind stolz auf das Erreichte“, sagte Anton Bausinger vom Förderverein Stadtbibliothek e.V. Seit seiner Gründung 2004 hatte der Verein bei Kölner Bürgern und Unternehmen um Spenden geworben. Neben den freiwilligen Spenden stammt gut die Hälfte der benötigten 80.000 Euro aus dem Bußgeld des früheren Entsorgungsunternehmers Hellmut Trienekens, das an gemeinnützige Organisationen verteilt wurde.

Ein Dauerzustand sei die private Finanzierung indes nicht, erklärte Bausinger. Langfristig müsse die Verantwortung für die Bücherbusse wieder in städtische Hände zurück. Auch wenn sich die Stadt bislang angesichts leerer Kassen zurückgehalten habe, meint Bausinger eine „positive Grundbereitschaft“ ausgemacht zu haben.
[zum Artikel in der TAZ]

Uelzen: Gute Aussichten für den Weiterbestand des Bücherbusses duch den Rücktritt der Vereinsvorsitzenden

So titelt ein Beitrag auf der Internetseite der Uelzener Grünen. Ob eine Kreisfahrbücherei mit wenig Fachpersonal und ohne finanzielle Rücklagen auf Dauer sinnvoll erhalten werden kann, bleibt abzuwarten.
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Übergangslösung im Kreis Soest

Bücherbus rollt bis Jahresende im Bereich Welver

WELVER · Trotz des beschlossenen „Aus“ für den Bücherbus, wird die rollende Bibliothek den Bereich Welver noch bis zum Jahresende ansteuern. Die zuständige Fachbereichsleiterin Maria Schulte-Kellinghaus erläutert: „Während alle anderen Kommunen über alternative kommunale oder kirchliche Bibliotheksangebote vor Ort verfügen, ist das in Welver aktuell nicht der Fall. Eine andere Lösung wird aber zurzeit angestrebt. Dieser besonderen Situation möchten wir im Interesse unserer Leserinnen und Leser durch ein entsprechendes Übergangsangebot begegnen. In Abstimmung mit dem Bürgermeister der Gemeinde Welver fahren wir bis zum Jahresende 2005 die bekannten Haltepunkte in Welver weiterhin einmal im Monat an.“
[…]
[aus dem Soester Anzeiger vom 28.6.2005]

Kreis Soest: Ausgelesen

Kreis Soest. (M.H.) Ausgelesen: Ende der Bibliothek auf Rädern. Die Fahrbücherei des Kreises Soest stellt zum 1. August ihren Betrieb ein.

SPD-Kreistagsabgeordnete Dr. Ulrike Gilhaus hatte nachgerechnet: „Fünf Millionen Bücher und Medien haben Leserinnen und Leser seit 1974 im Bücherbus ausgeliehen.“ Jetzt ist letzter Rückgabetermin. 33 der 60 Kreistagsmitglieder stimmten nämlich gestern Nachmittag für die Einstellung der Bücherei auf Rädern. Nach 30 Jahren legt der Kreis seinen Bus zum 1. August still. „Man muss Opfer bringen auf auf lieb Gewonnenes verzichten“, hatte Hans Günter Süggeler das von der CDU gewollte das Aus für den Bus begründet. Die prekäre Finanzlage des Kreises zwinge zum harten Schnitt. Zudem sei das Angebot heute nicht mehr zeitgemäß.

Die CDU favorisiert den Aufbau eines kreiseigenen Medienhauses, das sich um Leseförderung kümmern soll.

Ulrike Gilhaus sprach von einem „tief sitzenden Schock“ über die Schließungspläne. Schock auch darüber, dass die anderen Fraktionen ihre Einstellung geändert hätten. Gemeint war besonders die BG. Fraktionschef Theodor Kremer hatte sich lange für den Erhalt des Busses eingesetzt. Nun forderte die BG, ihn zumindest so lange rollen zu lassen, wie in den Gemeinden Ense, Erwitte und Welver eine bibliotekarische Grundversorgung noch nicht gesichert sei. Damit konnte sich die Fraktion im Kreistag jedoch nicht durchsetzen.

Wie viel durch die Einstellung des Busses gespart wird, ist unter den Fraktionen umstritten. Während die CDU angesichts des Zuschusses von 220 000 Euro pro Jahr hier ein großes Potenzial sieht, rechnete die SPD vor, dass ab 2006 gerade mal 46 000 Euro weniger ausgegeben werden könnten. Ulrike Gilhaus: „Eine Lachnummer.“ Die Abschaffung des Busses ei ein „klares Bekenntnis zum Sozialabbau“. Silvia Hupfeld (CDU) zog den Beitrag der Bibliothek für die Leseförderung dagegen in Zweifel. Diese Aufgabe könne das neue Medienhaus besser übernehmen. Leseförderung werde nicht behindert, wenn Kinder und Jugendliche in kommunalen oder kirchlichen Büchereien „50 Cent oder einen Euro“ zahlen müssten.[…]
[zum vollständigen Artikel in der Westfalenpost]

Quickborn: Vertrag mit Fahrbücherei gekündigt

Die letzte Fahrbücherei im Kreisgebiet wird zum Jahresende abgewickelt. Das beschloß die Quickborner Ratsversammlung. Die Mehrheit von CDU und FDP entschied gegen die Stimmen der SPD, den Vertrag mit dem Büchereiverein Schleswig-Holstein zum 31. Dezember 2005 zu kündigen.

Der in Norderstedt stationierte Bücherbus hatte einst auch Pinneberg versorgt. Nach der Kündigung des dort geltenden Vertrages blieb als letzte Bastion Quickborn. Dort machte das Fahrzeug seit 1979 an sechs Haltestellen im Stadtteil Heide sowie an einem Haltepunkt in Renzel Station. Knapp 500 Nutzer nahmen das Angebot wahr, im vergangenen Jahr wurden während der wöchentlichen Fahrten insgesamt 6500 Ausleihungen registriert.

Bisher zahlte die Stadt 13 200 Euro pro Jahr, der Kreis beteiligte sich mit 8200 Euro. Nachdem die CDU-Mehrheit im Kreistag den kompletten Ausstieg aus der Büchereiförderung durchgesetzt hatte, hätte die Stadt zusätzlich den Kreisanteil übernehmen müssen.

„Der Kreis erhöht die Umlage um saftige 5,75 Prozent und kündigt gleichzeitig soziale Einrichtungen. Das ist nicht hinnehmbar“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens-Olaf Nuckel. Er verwies auf die jahrzehntelang erfolgreiche Arbeit der Fahrbücherei, die insbesondere für Leute dagewesen sei, die nicht mobil sind. „Wie sollen die denn per Bus nach Quickborn-Ort kommen?“

Laut dem zuständigen Amtsleiter Ralf Gercken soll es zumindest für Kinder- und Jugendliche eine Kompensation geben. Überlegt wird, über den Büchereiverein Schleswig-Holstein die „mobile Schülerbücherei“ sowie eine „Medienbox für den Unterricht“ in Anspruch zu nehmen. Kooperationspartner könnten die Waldschule sowie die Kindertagesstätten werden. Für beide Angebote entständen der Stadt Kosten in Höhe von 2000 Euro.
[erschienen im Hamburger Abendblatt am 23. Juni 2005]